Dem Zebra sein Stall: Spiel- und Erlebnisberichte

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  • DEL (1)

    Kölner Haie - Nürnberg Ice Tigers

    :eiskec: 7:4 (3:0 / 6:3) :eisnbg:


    Nachdem ich letzte Saison die Hallen in Iserlohn und Krefeld gekreuzt hatte, lag es natürlich auf der Hand, dass auch die beiden verblieben großen NRW-Standorte dran kommen müssen. Der Anfang wurde nun mit der Domstadt gemacht. So ging es also am 25. Spieltag zum Freitagsspiel gegen Nürnberg. Trotz einem Monat Vorlauf war es selbst gegen diesen eher unspektakulären Gegner gar nicht so leicht, noch zwei zusammenhängende Tickets zu bekommen. Und bezahlbar ist generell auch nur der Oberrang.
    Für 32 € sollte es dann also quasi direkt unter das Dach gehen, aber immerhin.

    Anreise per Auto am Freitagnachmittag nach Köln natürlich immer so eine Sache, aber wir kamen frühzeitig an und sind ins Parkhaus der Arena, wo man während Veranstaltungen für 9€ stehen kann. Da ich vor ein paar Wochen noch in der Halle zur Comedy Night XXL war, kannte ich glücklicher Weise die Gegebenheiten vor Ort. Meine Hoffnung, dass bei einem Spiel der Haie aber weniger Auswärtige via Auto anreisen, hat sich bewahrheitet. Daher sowohl vor als auch nach dem Spiel deutlich weniger Chaos im Parkhaus.

    Spielstätte der Haie ist seit 1998 diese gigantische Mehrzweckhalle in Deutz. Und natürlich merkt man an allen Ecken und Enden, dass da nichts auf Fan- und Stadionkultur ausgelegt ist. Komplett überteuerte Preise für absoluten Fraß, Garderobe und kein abgegrenzter Gästeblock. Wurst und Kölsch (zusammen im Menü für 9,50 €) mussten dennoch rein. Generell bin ich Kölsch ja gar nicht abgeneigt und das Dom Kölsch ging auch Becher für Becher gut runter an dem Abend. Schon praktisch, wenn jemand mit Zapfrucksack während des Spiels ran gewunken werden kann, der direkt wieder vollmacht. Einen Schal gabs zuvor auch noch am gut ausgestatteten Fanshop.

    Das gesamte Programm war natürlich wie immer beim Eishockey sehr auf Spektakel getrimmt und in einer dermaßen großen Halle wirkt das ganze dann auch noch sehr viel imposanter. Mit diversen Cams, einem verrückten Maskottchen, Pyro- und Lichtshow schon alles ziemlich amerikanisch. Die viele kölsche Karnevalsmusik hat sich aber dann doch von anderen Standorten abgehoben und dem ganzen einen stimmigen Charme verliehen.
    Zusätzlich zu den zwei Rängen der Arena gibt es auf den beiden Hintertorseiten noch kleine Stehtribünen im Innenraum.

    Auf dem Eis wurden die Haie im ersten Drittel ihrer Favoritenrolle absolut gerecht und so stand es nach den ersten 20 Minuten bereits 3:0 für die Gastgeber. Die zwei anderen Drittel waren deutlich ausgeglichener und endeten jeweils Unentschieden (3:3 & 1:1), aber zu keinem Zeitpunkt machten die Franken den Eindruck als wenn man den Rückstand realistisch noch aufholen würde können. Spannung daher leider frühzeitig raus, was für den neutralen Zuschauer wie mich natürlich etwas schade war.

    Kommen wir zur Stimmung. Unter Fußball-Gesichtspunkten natürlich immer etwas schwierig einzuordnen, da nicht vergleichbar. Das Spiel ist schneller, oft unterbrochen und es wird laufend Musik abgespielt. Dauersupport daher eher schwierig umsetzbar, auch wenn die Eishockeyszenen, je nach Standort sicher unterschiedlich stark ausgeprägt, dem Vorbild beim Fußball schon zu folgen versuchen.
    So gibt es beim KEC mit dem "Inferno della Nord" ebenfalls eine ultraorientierte Gruppe, die über die gesamte Spielzeit mit Trommeln, Megafon und Fahnen aktiv war. Da haben die mich auf jeden Fall positiv überrascht, denn so ausdauernd hätte ich das bei denen nicht erwartet. Stieß ehrlicher Weise beim Rest der Anhängerschaft aber gefühlt auch nicht auf allzu fruchtbaren Boden, denn die Mitmachquote an Leuten, die sich bei diversen Hüpfeinlagen etc. vom Vorsänger haben animieren lassen, war wirklich überschaubar.

    Schlechte Stimmung war aber überhaupt nicht in der Halle. Permanent ein guter Lautstärkenpegel, permanent Gesänge für das Team und zumindest der Unterrang hat sich vom Spiel auch gut mitreißen lassen.
    Die andere Hintertorseite (Süd) war ebenfalls über die gesamte Spielzeit am singen. Manchmal für sich, manchmal mit der Nord zusammen. War aber eher traditionell und weniger ultraorientiert, wobei ich hier keinen falschen Eindruck erwecken möchte. Im Vergleich zu ihren Gesinnungsgenossen beim Fußball war das Inferno auch schon sehr klassisch und wenig kreativ unterwegs, was das Liedgut angeht. Was anderes wäre im Haifischbecken auch sicher nicht vermittelbar. Highlight war zu Ende des Spiels ein Wechselgesang zwischen beiden Kurven über mehrere Minuten hinweg.

    Aus Nürnberg waren so ca. 120 Leute angereist, was für einen Freitag sicher gut ist. Die haben auch fast über die gesamte Spielzeit immer mal Gesänge ins Rund geschickt, aber trotzdem blieb es deutlich hinter meinen Hoffnungen zurück. Die Ultragruppe "Fedaltá 0911" ist optisch nämlich nicht aufgetreten, obwohl man sich im aktuellen Saisonrückblick noch damit gerühmt hatte, bei jedem Spiel anwesend zu sein. Naja, kein Ahnung, zumindest am Freitag hing keine Fahne der Gruppe im Kölner Gästeblock. Trotzdem, an sich waren Anzahl und Stimmung schon definitiv nicht schlecht.

    Alles in allem ein interessanter Ausflug in einer imposanten Halle - Köln hat immerhin den höchsten Zuschauerschnitt in ganz Europa. Stimmungsfördernd ist das Riesenteil sicher nicht, zumindest wenn man auf dem Oberrang sitzt und dass die Gäste in der hinterletzten Ecke geparkt werden, ist auch absolut nicht geil, aber es geht halt auch spürbar mehr um Spektakel und nicht um Fankultur. Ausflug hat sich auf jeden Fall gelohnt, glaube aber nicht, dass mich das Haifischbecken allzu schnell wieder sieht.

    Wattenscheid statt Bochum

  • DEL 2 (2)

    Düsseldorfer EG - Krefeld Pinguine

    :eisdeg: 1:5 (0:0 / 1:1) :eiskev:


    Derbytime im Rheinland in der Karnevalszeit. Da mir Düsseldorf als letzter Eishockeystandort der Big Four NRWs fehlte, war dies die perfekte Gelegenheit den Weg in die Landeshauptstadt anzutreten. Bereits im November besorgten wir uns daher Karten für das Straßenbahnderby. Für 34 € ging es auf die Gegengerade im Unterrang nah am Gästeblock. Sicht sowohl auf eben jenen als auch auf das Eis top. Schon mal ein klarer Punktsieg von Düsseldorf gegenüber Köln. Okay, ist halt auch nur noch DEL 2. Kann sein, dass die Preise gesenkt wurden nach dem Abstieg, ich weiß es nicht.

    Generell hat der Dome mir besser Gefallen als das Pendant in der Domstadt. Zumindest etwas kleiner und nicht ganz so steil. Wirkte auch deutlich mehr nach einer Heimat für die DEG während der KEC in Köln spürbar nur Gast war. Großes DEG Logo außen an der Halle , fest integrierter Fanshop innen und es lag einfach mehr Fankultur in der Luft. Ein großer Stand vom Fanprojekt, ein Stand, der unzählige Aufnäher und inoffizielle Schals (vorallem Anti XY Schals) verkaufte, wie man es auch beim Fußball von fliegenden Händlern kennt. Das hatte alles schon was, stimmiges Gesamtbild.

    Bereits bei der Anreise, im Parkhaus und in der nervig langen Schlange beim Einlass wirkte das Kräfteverhältnis zwischen Heim- und Gästefans 50:50. Überall Schwarz-Gelbe. Aber alles friedlich, alles entspannt. Dennoch ein hohes Polizeiaufgebot, was für die aktive Fanszenen sicher auch notwendig war. Zu meiner Überraschung, aber auch Erleichterung, waren nicht allzu viele Zuschauer verkleidet.

    Bzgl. Catering habe ich die obligatorische Wurst (bäh, Mehrzweckhalle halt) und ein Altbier verköstigt. Alt ist einfach nicht so meins. Zu würzig, zu schwer, hier klarer Punktsieg fürs Kölsch, auch wenn ich mich damit sicher angreifbar mache. Einen sehr schönen Schal gab es wie immer im gut ausgestatteten Fanshop.

    Auch das Programm vor dem Spiel wusste zu gefallen. Viel Tote Hosen, etwas Karnevalsmusik, wirkte stimmig. Die Maskottchen beider Vereine waren gemeinsam am Start und das Prinzenpaar durfte auch einmal in die Kamera winken.

    Sportlich waren die Vorzeichen eindeutig. Krefeld ist souverän Tabellenführer, während die DEG im Mittelfeld rumkrebst. Favoritenrolle also klar bei den euphorisierten Pinguinen. Dennoch war das Spiel für meine Laien-Augen ziemlich ausgeglichen. Beide Seiten mit guten Chancen. Mittlerweile sind bei mir ja schon durchaus einige Eishockeyspiele zusammen gekommen, aber ich muss dennoch gestehen, dass ich da nach wie vor kein Auge für hab. Nach dem ersten Drittel ging es torlos in die Pause.
    Im zweiten ging Krefeld dann endlich in Führung, nur um im direkten Gegenzug den Ausgleich zu kassieren. Für uns als neutrale Zuschauer natürlich optimal. So blieb das Derby bis fünf Minuten vor Schluss wirklich spannend und ich war schon auf meine erste Overtime eingestellt, als es im Düsseldorfer Tor klingelte. Starker Torjubel. Was daraufhin geschah, können mir sicher auch die Experten nicht erklären, denn plötzlich fiel Tor für Tor. Komplette Selbstaufgabe der Düsseldorfer oder euphorisierte Pinguine? Keine Ahnung. So spannend das Spiel war, umso deutlicher am Ende die Derbypleite für die Gastgeber.

    Vor dem Spiel sicher ein Ergebnis, das niemanden verwundert hätte. Bei dem Spielverlauf aber doch gleichermaßen ärger- wie verwunderlich.

    Trotz allem gab es das wahre Spektakel aber auf den Rängen. Von den 13.000 Zuschauern war optisch sicher fast die Hälfte aus Krefeld. Diese Schwarz-Gelbe Wand war schon absolut imposant über beide Ränge und selbst im Oberrang der Düsseldorfer Kurve und auf der Haupttribüne waren reichlich Gäste. Die waren echt überall. Falls jemand offizielle Zahlen hat, gerne her damit. 5.000 waren es wohl beim letzten Spiel im Dezember. Diesmal sicher nicht weniger, auch wenn der Ticketverkauf für Gäste wohl irgendwann eingestellt wurde. Aber man findet ja immer Wege.

    Im Vorfeld war ich davon ausgegangen, dass die Düsseldorfer Fanszene dem Ganzen nicht viel entgegen zu setzen hat. Der aktive Block in der Ostkurve um die Ultragruppe "Strange Creative Crowd" wirkt schon eher klein und etwas verloren. Keine Ahnung, wie es sonst ist, aber am Freitag wusste die auf jeden Fall die Kurve mitzunehmen. War sehr positiv überrascht. Gute Lautstärke, sehr schöner Tifoeinsatz. Unterstützung gab es aus Augsburg (AEV). Die DEG-Szene wirkte auf jeden Fall deutlich ultralastiger als die der Haie.

    Im Gästeblock sammelte sich die Szene rund um "Communanza Seidenstadt" und der "Westparkbande" im Oberrang, also im offiziellen Gästeblock, einheitlich in Schwarz. Zu Besuch waren Fans des Grazer AK ("Society"). Choreo wurde wohl untersagt und auch sonst gab es Probleme mit Materialbeschränkungen, weshalb es keine optischen Elemente wie Schwenkfahnen gab. Dafür ein großes Protestbanner am Zaun. Stimmungstechnisch war das natürlich einfach nur krass. Bei meinem letzten besuch in Krefeld wusste die KEV-Szene mich ja bereits zu überzeugen und das wurde nun bestätigt. Großer Mob, die gesamte Zeit durchgezogen und oft die restlichen Gäste mitgezogen. War dann schon echt super laut. Trotz gut aufgelegter Ostkurve war es am Ende dann das erwartete Heimspiel für den KEV. Respekt. Im letzten Drittel gab es im Oberrang noch etwas Palaver mit der anwesenden Hundertschaft.

    Gepöbelt wurde von Krefelder Seite relativ viel in Richtung DEG. Andersrum weniger. Gab beidseitig auch einige garstige Spruchbänder an die Gegenseite. Hier Punktsieg für Düsseldorf. "Derby in D'dorf ist... wenn wir gegen Köln spielen". Der hatte spürbar gesessen. "Szene Krefeld: Mehr Tapetenmeter als Auswärtskilometer" war auch nicht schlecht.

    Vollkommen zufrieden ging es nach dem Spiel zurück in den Pott. Da hat wirklich alles gepasst und Düsseldorf hat mir als Eishockeystandort auch wirklich zugesagt. Gab auch nicht wie in Köln ständig bei jeder Unterbrechung nerviger Weise Musik auf die Ohren. Gerne wieder.

    Wattenscheid statt Bochum

  • Falls jemand offizielle Zahlen hat, gerne her damit. 5.000 waren es wohl beim letzten Spiel im Dezember. Diesmal sicher nicht weniger, auch wenn der Ticketverkauf für Gäste wohl irgendwann eingestellt wurde. Aber man findet ja immer Wege.

    Richtig offizielle Zahlen gibt es ja nicht. Die Pinguine und die DEL2 gehen von zwischen 3000 und 3500 dieses mal aus. Durch den Stop des Vorverkaufs hat man wohl doch etwas auf Düsseldorfer Seite das ganze eingeschränkt und einige "Tagesgäste" aus Krefeld fern gehalten.

    Insgesamt gesehen sind die Düsseldorfer aber auch viel sympatischer in und um die Liga aufgenommen worden, wie Krefeld damals und sie haben sich ihren Ruf in der DEL2 immer mehr erarbeitet. Zuschauer- und auch offiziellerweise. Es wäre wohl niemand traurig drüber, wenn sie sich wieder verp..... Ganz anders bei Düsseldorf, das war gestern eine Galavorführung bei uns was alle Belange betrifft. Es war zwar auch mächtig viel Polizei da, aber die mussten nur daneben stehen. Ich selbst hatte vor den Stadion schon mich mit einen älteren Düsseldorfer Fan unterhalten, der einfach auf mich zu kam. Hab ihn zwischendurch dann in den Pausen mal gesucht und auch nach den Spiel, war aber in der Meute nicht wieder zu fiinden. Aber auch die anderen mit den ich mich unterhielt waren total begeisternd. Das wird auch lange nachhalen sicherlich. Nur das sie die drei Punkte am Ende mit nahmen - die wir zweifelsohne dringender gebraucht hätten :D - war dann doch nicht so schön. Sollten wir die sportliche Qualifikation trotzdem schaffen und die Spieltermine nicht so verrückt liegen wie dieses Jahr, wäre Düsseldorf ganz oben in der Prioritätenliste für mein nächstes Auswärtsspiel.

    Übrigens Zebra : Das 0:4 fehlt noch in deinen Ergebnis oben, beim Eishockey gibt es halt keine zwei Halbzeiten ;) .

    24.09.2012 - 08.12.2012

    Danke an Wayne Simmonds (Philadelphia Flyers, 9 Spiele, 4 Tore, 10 Assists), Chris Stewart (St. Louis Blues, 15 Spiele, 6 Tore, 14 Assists) sowie Clarke MacArthur (Toronto Maple Leafs, 8 Spiele, 4 Tore, 6 Assists) im Trikot der Eispiraten Crimmitschau

    2 Mal editiert, zuletzt von SteffSn (16. Februar 2026 um 09:48)

  • Die Pinguine und die DEL2 gehen von zwischen 3000 und 3500 dieses mal aus.

    Das kann ich mir fast nicht vorstellen, aber gut, die werden es schon besser wissen und ich kann die Halle natürlich auch schlechter einschätzen.

    Insgesamt gesehen sind die Düsseldorfer aber auch viel sympatischer in und um die Liga aufgenommen worden, wie Krefeld damals und sie haben sich ihren Ruf in der DEL2 immer mehr erarbeitet. Zuschauer- und auch offiziellerweise. Es wäre wohl niemand traurig drüber, wenn sie sich wieder verp.....

    Inwiefern? Die Krefelder Fanszene?

    Wattenscheid statt Bochum

  • Inwiefern? Die Krefelder Fanszene?

    Die Krefelder insgesamt. Hier geht es nicht bloß um die Fanszene. Die glänzen aber ebenso mit totaler Selbstüberschätzung. Nun hofft eben wirklich jeder das sie es diese Saison wirklich schaffen. Als die Pinguine einst abstiegen (2022), gab es keine 24 Stunden später von offizieller Seite eine Ansage in Richtung DEL2 sowie der Mannschaften da. Wir schießen in der kommenden Saison alles in Grund und Boden Die Krefelder verpflichteten dazu Spieler, von den man annehmen musste (andere würden sagen verlangen musste) das sie das wirklich machen. Zudem sorgte man da für ganz andere Zahlen im Etat (war ja klar bei der Ansammlung von Stars.). Nach dem Sommer musste man aber ganz schnell erkennen, das es doch Mannschaften gab in der DEL2 die auch Eishockey spielen können, dennoch wisch man vom Ziel Wiederaufstieg nicht ab. Und das trugen mehr und mehr auch die Krefelder Fans zur Schau. Schließlich scheiterte man im Halbfinale ziemlich kläglich an Ravensburg. Man musste also in eine Extrarunde durch die DEL2 drehen. Was tat man also über den Sommer 2023. Man gab noch mehr Geld aus und die Namen wurden noch größer. Was man wieder nicht beachtete auch große Namen müssen am Ende nicht immer als Mannschaft funktionieren. Und es kam wie es kommen musste, denn in der kleinsten Eishockeystadt der DEL2 (Crimmitschau) hatte man ausgerechnet in dieser Saison eine richtige Euphorie entfacht. Den Verantwortlichen war eigentlich klar das dieser Zwerg eine ganz unbequeme Nummer wird, vielleicht die schwerste in Richtung Aufstieg. Was man aber wieder vergass, es den Spielern mit zu teilen. Die Fans reisten wie immer in der DEL2 an und trugen nun öffentlich zur Schau was man von den Gegnern hielt - was in dieser Liga gar nicht mehr ankam. Als Walsh im Spiel 7 in der zweiten Overtime traf und so die Aufstiegsträume dieses mal in einer Blamage endeten, begann man zumindestens im stillen Kämmerchen in Krefeld das Umdenken. Bei den Fans gibt es aber bis heute kein Umdenken, die sind immernoch so überheblich und streitsam wie am ersten Tag.

    In Düsseldorf hin gegen hat man von Tag eins nach den Abstieg vergangene Saison ganz anders gehandelt. Wohlweißlich auch mit den Blick Richtung Krefeld und deren Erfahrungen. Man machte den eigenen Fans klar, sie mögen die Liga genau so annehmen wie die DEL und genau so verhielt man sich in der Vorstandschaft. Von Tag eins arbeitete man mit der Liga und jeder wurde ernst genommen, dennoch gibt es einen offiziellen Dreijahresplan wo man wieder zurück möchte in die DEL. Aber man hat auch gleich auf allen Ebenen gesagt, das selbst dieses ein ganz harter und schwerer Gang wird. Im Ligabüro in Neuss hat man sich ebenso von Tag eins an unterstützt. Über den Sommer gab es dann wochenweiiße eine Vorstellung der kommenden Gegner, teilweise wussten die Düsseldorfer ja nicht mal wie weit die neuen eigentlich entfernt sind und wo sie überhaupt auf der Landkarte suchen müssen. So entwickelte sich bei dieser Vorstellung der neuen Gegner durch die SocialMedia Abteilung der Düsseldorfer (die zwar immer einen ernsten Hintergrund hatte, aber dennoch nicht in allen Belangen nur bierernst geschrieben war) eine Bindung zwischen den Fans schon im Vorfeld. Mittlerweile hat man auch sportlich gemerkt (ja schon von Anfang an) das man wohl in die Liga gehört, jedenfalls vorerst, trotz des erneuten Spitzenetats der Liga (erstmals gab es einen Verein der eine zweistellige Millionensumme in die Hand nahm). Selbst das trug man aber von Anfang nicht öffentlich zur Schau. Klar wird Düsseldorf irgendwann wieder den Weg nach oben antreten, aber bis dahin heißt es eben auch für Liga und die gesamten Vereine sich soviel wie möglich von den Strukturen da sich ab zu schauen und zu lernen. Denn ein was hat Jahr eins gezeigt. Das Düsseldorf auch in dieser Ebene sich auf alle Fälle verlassen kann, weil die anderen Standorte was annehmen und nicht alle gegen den einen arbeiten, wie damals mit Krefeld.

    Wenn man sich mit Fans anderer Vereine in der DEL2 mal unterhält sind Spiele gegen DEG Fans was ganz anderes wie gegen Krefeld damals wie heute. Den Eindruck hat man also nicht nur in Crimmitschau gewonnen, wo sie gestern wirklich sehr gut ankamen und im Gegensatz zum Spiel im November hat sie ja auch dieses Mal niemand in ihren Block eingesperrt. Und siehe da, es funktionierte nicht bloß ganz okay, sondern es entwickelte sich vielleicht auch für später mal mehr, wenn die DEG dann vielleicht auch die Liga wieder sportlich verlassen hat. Man wird sehen wie die Geschichte weiter geht ...., Fortsetzung auf keinen Fall ausgeschlossen .....

    24.09.2012 - 08.12.2012

    Danke an Wayne Simmonds (Philadelphia Flyers, 9 Spiele, 4 Tore, 10 Assists), Chris Stewart (St. Louis Blues, 15 Spiele, 6 Tore, 14 Assists) sowie Clarke MacArthur (Toronto Maple Leafs, 8 Spiele, 4 Tore, 6 Assists) im Trikot der Eispiraten Crimmitschau

  • DEL (1)

    Löwen Frankfurt - Nürnberg Ice Tigers

      :eisffm: 3:4 (0:2 / 2:4) :eisnbg:


    Zwecks Einlösung eines Weihnachtsgeschenks ging es in die Mainmetropole zum Eishockey. Letzter regulärer Spieltag der Saison; für die Löwen ging es nach einer enttäuschenden Saison um nichts mehr. Keine Playoffs, entsprechend das letzte Spiel vor der Sommerpause. Auch für die Gäste stand bereits fest, dass es in die Pre-Playoffs gehen würde. Demnach standen die Vorzeichen eher wenig auf Spektakel.

    Nach einer staufreien und unspektakulären Anreise ging es also zum Eisstadion in Frankfurt-Bornheim, das direkt neben dem Stadion des FSV Frankfurt gelegen ist. Parken war gestern etwas nervig, da durch einen Kirmesaufbau die Parkplätze der Halle nicht zur Verfügung standen. 15 Minuten Fußweg entfernt wurden wir aber fündig und erreichten die Halle frühzeitig. Und die wusste wirklich zu gefallen. Endlich mal keine Mehrzweckhalle. Enge Bude, nah am Eis, niedrige Decke und Tageslicht - richtig stimmungsvolle Angelegenheit. Trotz sportlicher Irrelevanz, wie wohl fast immer, ausverkauft gewesen. Schön war, dass man sich in der gesamten Halle frei bewegen konnte, auch mit Sitzplatzticket problemlos auf die Stehplätze gekonnt hätte und man im Umlauf über den Sitzplätzen auch theoretisch hätte stehen können. Wie auch überall gemacht wurde. Hatte einfach echt Stadionatmosphäre. Kein Vergleich zu Krefeld, Düsseldorf und vorallem Köln.

    Hinter dem Tor gibt eine eine große Stehplatzfankurve, ansonsten besteht auch der Oberrang auf der Gegengeraden aus Stehplätzen. Der äußerste Block fungiert dabei als Gästebereich. Fantrennung in der Halle selbst gab es wie immer nicht und die anwesende Hundertschaft verweilte außerhalb der Halle und war wohl nur während Ankunft und Abmarsch des Gästemobs aktiv. Funktioniert beim Eishockey halt auch so.

    Schal gekauft, Leberkäse (armdick geschnitten, geil) verdrückt - Apfelwein war als Fahrer leider keine Option - und ab auf die Plätze. Die waren gegenüber der Heimkurve und schräg unter dem Gästeblock. Sicht aufs Eis war super.

    Nürnberg ging natürlich als Favorit ins Spiel und dieser Rolle wurde man auch gerecht. So stand es relativ früh im ersten Drittel bereits 0:2 für die Gäste. Danach entwickelte sich ein sehr intensives und ausgeglichenes Spiel, aber die Löwen vermochten den Rückstand nicht mehr aufzuholen, obwohl man das letzte Drittel sogar gewinnen konnte. Dennoch wirkte das Publikum bei Spielende ziemlich versöhnlich.

    Kleines Highlight war in der zweiten Pause, dass auf dem Eis zwei Fanteams gegeneinander Fußball gespielt haben. Sehr unterhaltsame Angelegenheit gewesen. Gute Besserung an den Verletzten.

    Auf den Rängen hatte ich im Vorfeld keine großen Erwartungen. Die Frankfurter Szene gehört sicher nicht zu den größten im Land und von Nürnberg wurde ich im Dezember in Köln ja leider bereits etwas enttäuscht. War dann aber doch besser als erwartet.

    In der Heimkurve gab es zum Einlaufen eine schöne Choreo aus Fahnen (eine Hälfte Orange, eine Hälfte Schwarz) und einem Hochziehelement (Deutschlandkarte mit dem ESC Logo an den verschiedenen DEL Standorten). Dazu das passende Banner "Unsere Farben durch ganz Deutschland tragen". Sah top aus.

    Die aktive Szene rund um die "Bembel Crew '12" positionierte sich über dem Mundloch und war fast durchgehend aktiv. Leider wirkten die 30 Leute aber leider ziemlich isoliert und konnten den Rest der Kurve nur selten animieren. Die wirklich schönen Schwenkfahnen kamen auch leider nur bei Spielunterbrechungen zum Einsatz. Als das Spiel es hergab - gerade im letzten Drittel - war die Kurve lautstark da, aber es wirkte in Frankfurt alles deutlich weniger ultralastig als bspw. in Krefeld. Nervig war, dass gestern auf den Sitzplätzen Klatschpappen verteilt wurden. Heißt immer wenn die Kurve laut wurde, haben die Sitzplätze es mit den Dingern kaputt geklatscht. Dadurch war es zwar laut in der Halle, aber die Gesänge wurden stets im Keim erstickt.

    Der Gästeblock war optisch rappelvoll - schönes Zaunfahnenbild - und diesmal ist die aktive Szene um "Fedaltá 0911" auch aufgetreten. Und wie. Über die gesamte Spielzeit durchgehend und lautstark durchgedreht, einige Schwenker und teilweise oberkörperfrei den Tag zelebriert. Liedgut eher klassisch, aber dadurch war die Mitmachquote auch sehr ordentlich. Hat mir gut gefallen. War über weite Strecken schon ein Heimspiel für die Franken.


    Nach dem Spiel ging zügig zurück in den Pott. Schöner Ausflug gewesen, von dem vorallem das tolle Eisstadion in Erinnerung bleibt.

    Wattenscheid statt Bochum

  • Frankfurt hat halt noch eine der älteren Eishallen. Aus den Gästebereich übrigens hat man durch den einen Pfeiler auch nicht volle Sicht auf die Eisfläsche, ansonsten ist sie halt "zweckmässig". Das mit den Fahnen schwenken ist halt mittlerweile überall so, das bei laufenden Spiel die Fahnen unten zu sein haben, während Spielunterbrechung oder in den Pausen (meist sind dann aber die Leute sich auch was holen) können sie dann ja geschwenkt werden. Das hat einen einfachen Grund. Die dahinter sehen dann ja nichts mehr vom Spiel. Und die haben schließlich auch bezahlt. So hat man sich insgeheim an allen Standorten zu dieser - nirgends zwar festgelegten, aber dennoch einfach praktikablen Regelung durchgerungen. Sonst würde bei uns in der Fankurve zum Beispiel auch nur Reihe eins was sehen ;) .

    24.09.2012 - 08.12.2012

    Danke an Wayne Simmonds (Philadelphia Flyers, 9 Spiele, 4 Tore, 10 Assists), Chris Stewart (St. Louis Blues, 15 Spiele, 6 Tore, 14 Assists) sowie Clarke MacArthur (Toronto Maple Leafs, 8 Spiele, 4 Tore, 6 Assists) im Trikot der Eispiraten Crimmitschau

  • Regionalliga Südwest (4)

    SV Stuttgarter Kickers - KSV Hessen Kassel

       :deusvk: 0:1 (0:1) :deuhks:


    Nachdem die Eishockey-Saison für mich nu beendet wurde, ging es also mal wieder zum Fußball. Ziel waren die Kickers aus Stuttgart-Degerloch. Für einen Tagestrip war mir das etwas zu weit, daher ging es bereits am Vortag mit Frau und ungeborenem Kind in die Landeshauptstadt. Gibt es nu nicht viel zu zu sagen, außer dass Stuttgart keinen bleibenden Eindruck hinterlassen konnte, aber Essen (Maultaschen, Käsespätzle, Kartoffelsalat) und Trinken (Stuttgarter Hofbräu aus dem Tank) sehr stark waren.

    Am Spieltag selbst ging es also in den Stadtteil Degerloch und dort war ich schon positiv überrascht, dass die SVK-Fanszene durchaus auf Stromkästen etc. präsent war. Halte ich mit dem VfB in der Stadt für nicht selbstverständlich und am Vortag im Zentrum habe ich auch keinen Kickers-Kleber sehen können, der nicht längst von Rot-Weiß überklebt wurde.
    Das Waldau-Stadion ist wirklich schön gelegen direkt neben dem SWR-Fernsehturm und einem Waldgebiet. Da konnten wir die Zeit bis Anpfiff mit einem sehr schönen Spaziergang gut rum kriegen.

    Das Stadion selbst ist für mich eine 10/10. Schön eng, sehr nah am Spielfeld, geil. Überdachte Stehplätze auf der Gegengeraden, angemessen große Haupttribüne und steile Stehplätze hinter beiden Toren. Dazu schöne Flutlichtmasten mit sehr präsenter Brauerei-Werbung. Auf das Bier selbst habe ich als Fahrer leider verzichtet, dafür gabs einen schönen Balkenschal und eine geschmacklose Wurst. Käsespätzle hätte es auch gegeben, aber dafür war ich vom Frühstück noch zu gesättigt. Vermute aber auch irgendwie, dass die nicht an die vom Vorabend ran gekommen wären.

    Wir hatten Sitzplätze auf der Haupttribüne und somit beste Sicht auf jegliches Geschehen. Beide Traditionsvereine befinden sich im Mittelfeld der Tabelle ohne Chancen nach mehr. Kassel musste vor dem Spieltag sicher mit einem Auge noch nach unten schauen, aber akut gefährdet sind die Nordhessen auch nicht wirklich. Es entwickelte sich ein unterhaltsames, aber hart geführtes Spiel mit wenig zwingenden Chancen. Die Kickers für mich optisch überlegen, aber hinten raus teilweise wilde Fehlpässe. Etwas überraschend war die Führung der Gäste kurz vor der Halbzeit demnach schon.
    Im zweiten Durchgang änderte sich wenig, außer dass die Hessen fleißig gelbe Karten sammelten. Erstaunlicher Weise aber jeder nur eine, weshalb man zu elft blieb. Anders als die Gastgeber, die in der langen Nachspielzeit noch Gelb-Rot kassierten. So blieb es beim Auswärtssieg. Unentschieden wäre sicher leistungsgerechter gewesen, aber beschweren dürfen sich die unter dem Strich doch relativ harmlosen Kickers auch nicht.

    Über 4.000 Zuschauer - Respekt! - sorgten für eine schöne Atmosphäre. Der heimische B-Block auf der Gegengeraden rund um die Hauptgruppe "Blaue Bomber" war gut gefüllt und wusste auch optisch sehr zu überzeugen. Mitmachquote war ebenfalls gut, akustisch fehlte oft aber ein wenig die Durchschlagskraft. Sind dann vermutlich einfach die letzten Prozent Emotionen, die fehlen, wenn es im letzten Drittel der Saison um nix mehr geht. Liedgut ziemlich einfach und traditionell gehalten, was keine Wertung meinerseits darstellen soll.
    Einige schöne Zaunfahnen im Heimbereich gewesen. Witzig war die Kickers-Fahne in Snickers-Optik.

    Aus der Fulderstadt waren etwa 150 Leute (nur geschätzt, gerne korrigieren) angereist, welche nicht hinter dem Tor, sondern im überdachten Teil des Gästeblocks auf der Gegengeraden standen. Die Szene rund um die "Huddich Bande" und mit Unterstützung von befreundeten Anhängern von Union Solingen und Holstein Kiel zog über die gesamte Spielzeit gut durch. Optisch waren permanent drei große Schwenkfahnen im Einsatz, gehört hat man aber nicht häufig was. Dafür waren es einfach zu wenige, die Entfernung von unseren Plätzen zu groß und der Heimanhang oft auch zu laut. Dennoch Respekt, Kassel-Stuttgart ist ja nu wirklich nicht um die Ecke für ein Viertligaspiel.

    Nach dem Spiel ging es direkt auf die weite Rückreise in den Pott. Schöner Ausflug gewesen, Stadion und Kickers echt eine Top-Adresse. Würde ich dort wohnen, wäre ich gerne häufiger da.

    Wattenscheid statt Bochum

  • Ja das mit den Karten, ist schon irgendwie |-) ;D


    Meinst du wirklich, dass das nur 150 Kasselaner waren? Ich stand im C-Block, direkt neben denen, da haben die schon ordentlich Alarm gemacht :amkopfkratz:

    Da ich aber nur seitlich draufschauen konnte, ist die Einschätzung halt schwer ;)

    Merci, für das gute Review :nuke:

    :deu1860: :deusvk:

  • Meinst du wirklich, dass das nur 150 Kasselaner waren? Ich stand im C-Block, direkt neben denen, da haben die schon ordentlich Alarm gemacht :amkopfkratz:

    Das wirst du besser einschätzen können als ich. Ich bin eigentlich immer sehr schlecht im schätzen :D

    Die standen aber halt alle nur im oberen Drittel des Blocks.

    Wattenscheid statt Bochum

  • Mittelrheinpokal

    SC Fortuna Köln - Bonner SC

        :deufor: 4:1 (1:0) :deubosc:


    Südstadion Köln. Nu wirklich kein neuer Ground für mich, da ich dort schon diverse Male den Gästeblock erleben durfte, aber neutral aus dem Heimbereich heraus lässt sich ein Stadion ja in der Regel deutlich besser erleben. Das Vorhaben hatte ich für die durchaus sympathische Fortuna aus dem Kölner Süden schon länger und nun gab es die optimale Ansetzung dafür: Pokalhalbfinale, Flutlicht, Tabellenführer in der Liga und mit Bonn ein regionaler Rivale, der über eine anständige Fanszene verfügt. Also Tribünen-Karten im Vorfeld online gesichert und auf nach Köln-Zollstock.

    Aufgrund der angespannten Parkplatzsituation am Südstadion, haben wir uns wirklich frühzeitig auf den Weg gemacht und waren etwas über eine Stunde vor Anpfiff vor Ort. War auch genau richtig, da wir so noch einen direkten Parkplatz auf dem Ascheplatz (5 €) ergattern konnten. Ich behaupte, 15 Minuten später wäre das schon nicht mehr möglich gewesen und dann wäre die Sucherei los gegangen.

    Schönen Balkenschal im Fanshop am gemütlichen Vereinsheim gekauft und einmal rum ums Stadion auf unsere Plätze. Schon jetzt war der große Zuschauerandrang zu merken. Pissrinne, Krakauer und ein leckeres Gaffel Kölsch (ja, ich stehe dazu!) wurden erfolgreich getestet.

    Beim Südstadion handelt es sich um ein klassisches Leichtathletikstadion mit einer überdachten Sitzplatztribüne. Wahrlich nichts Besonderes, das die Hütte von anderen abhebt. Im Gegenteil, die Tribüne ist durchaus kleiner und vor allem flacher als die meisten anderen. Dadurch ist die Sicht von den Sitzplätzen schon suboptimal. Aber ein sehr angenehmes Publikum gewesen, total entspanntes Völkchen. Viele Ehrenamtler. Von seinem Charme hat die Fortuna trotz der Drittligajahre also bisher nichts einbüßen müssen. Eine moderne Anzeigetafel gibt es auch weiterhin nicht. Die Zeit läuft aber auf der LED-Werbebande praktischer Weise mit.

    Die Südstädter gingen als Tabellenführer natürlich favorisiert ins Spiel, aber Bonn spielt als Aufsteiger ebenfalls eine ordentliche Saison. Trotzdem hatten die Gastgeber, wie erwartet, von Anfang an mehr vom Spiel, ohne allerdings allzu viele Chancen zu generieren. Bonn hielt super dagegen. Nach einem Lattentreffer gelang dann nach 30 Spielminuten der erlösende Führungstreffer, mit dem es auch in die Pause ging.
    Auch im zweiten Durchgang lange ein eher zähes Spiel mit wenig zwingenden Chancen. Etwas aus dem Nichts gelang den Rheinlöwen nach 79 Minuten plötzlich der Ausgleich. Auf Verlängerung hatte ich unter der Woche zwar wenig Lust, aber der Torjubel der Gäste war es mir wert und ab da war dann auch Feuer auf dem Platz. Allerdings nicht bei den Gästen, sondern bei den Hausherren. Denn ziemlich humorlos erhöhte man zwei Minuten später wiederum auf 2:1 und nachdem ein Bonner in der 87. Minute wegen einer Notbremse vom Platz flog, brachen die Gäste zusammen und es klingelte noch zwei weitere Male im eigenen Tor (88. und 90. Minute). So wirkte das Ergebnis am Ende klarer als es wirklich war, aber die (qualitativ) bessere Mannschaft hat auf jeden Fall zu recht das Finale erreicht.

    Starke 4.994 Zuschauer kamen an diesem Pokalabend in das Südstadion. Tribüne voll, Gegengerade ziemlich voll und selbst die Südkurve, die bei meinen bisherigen Besuchen immer geschlossen blieb, war sehr gut gefüllt. Respekt dafür. Das Mobilmachen der Fanszene hat sich wohl bezahlt gemacht.
    Die heimische Ultraszene rund um die "Fortuna Eagles" - und natürlich darf in keinem Bericht über Fortuna Köln die Info fehlen, dass es sich bei den Eagles um die älteste Ultragruppe Deutschlands handelt (1986) - hat ihren Standort in der Mitte der Gegengeraden. Der Bereich wirkte sehr gut gefüllt, Mitmachquote anfangs aber eher verhalten. Fahneneinsatz sehr schön und ich war positiv überrascht über das kreative Liedgut. Hatte ich so nicht Erinnerung von früher. Erstaunlich ebenfalls, wie lang die einzelnen Gesänge vorgetragen wurden. Gefühlt und überspitzt nur drei Lieder pro Halbzeit jeweils für 15 Minuten gesungen.
    In der zweiten Halbzeit eröffnete "Stehplatz Mitte" dann das Spiel mit einem großen "Forza Fortuna" Banner, mehreren Rauchtöpfen und ein paar Blink-Elementen. Grauer Rauch ist jetzt eher nicht mein Fall und der Wiederanpfiff verzögerte sich dadurch um zehn Minuten, aber ab da war die Stimmung echt gut, auch wenn die Beteiligung nie über den Bereich "Stehplatz Mitte" hinausging

    Ähnlich wie in Oldenburg macht sich in puncto Lautstärke aber das Fehlen eines Daches und die Entfernung zum Spielfeld schon sehr bemerkbar. Alles in allem aber ein sehr runder Auftritt der "Eagles" und das beste, was ich bisher von denen erlebt habe.

    Aus der ehemaligen Bundeshauptstadt sind schätzungsweise so 400 Gäste angereist. Vielleicht auch mehr, da in unserem Bereich der Haupttribüne ebenfalls viele dem BSC die Daumen gedrückt hatten. Der Bonner "Block A" um die Gruppe "Allegro Con Brio" stand sehr kompakt und schwarz gekleidet mittig im viel zu großen und weitläufigen Gästeblock hinter einer schönen großen "Bonner Sportclub" Zaunfahne. Der Rest verteilte sich, wie auch in Wattenscheid üblich, gleichmäßig auf jeden Wellenbrecher.

    Zum Intro zündeten die Gäste einige Bengalos und legten dann auch stimmungstechnisch gut los. Auch hier ging die Lautstärke mangels Dach komplett verloren, aber man war permanent aktiv und hatte auch mit zahlreichen schönen Schwenkfahnen fürs Auge einiges geboten.
    Im zweiten Durchgang gab es noch ein Pöbelspruchband Richtung "Stehplatz Mitte", was allerdings im Rauch keine Beachtung finden konnte und im Dunkeln wurde immer mal wieder eine Fackel angerissen. Alles in allem ein guter Auftritt einer eher kleinen Fanszene. Respekt dafür, Bonn ist bekanntlich keine Fußballstadt.

    Nachdem die fast 15 Minuten Nachspielzeit irgendwann endlich rum waren, ging es zügig zum Auto und von da ins Ruhrgebiet. War echt ein super Stadionbesuch mit etwas Spektakel von zwei kleineren Fanszenen bei einem sportlich relevanten Spiel unter Flutlicht. Lohnt sich wirklich, Stadien auch mal neutral zu kreuzen, selbst wenn man bereits als Gästefan da war. Ist echt was anderes. Die Fortuna trifft nun am Tag der Amateure im Finale auf Drittligist und Lokalrivale Viktoria. Die Daumen sind gedrückt für die Südstadt.

    Wattenscheid statt Bochum

  • Landesliga Braunschweig (6)

    1. SC Göttingen 05 - SVG Göttingen 07

         :deuscg05: 0:4 (0:2) :deusvg07:


    Hopperauflauf. Da ich mich definitiv nicht als Groundhopper sehen würde, da mich Fanszenen mehr interessieren als Stadien, eigentlich nichts, womit ich normal groß in Berührung komme. Dennoch kam es am Mittwoch dazu, dass ich Teil davon war. Viele nutzten die Chance, das Göttinger Jahnstadion, welches nur selten bespielt wird, zu kreuzen während andere, wie ich, die Göttinger Fanszene in einem bestmöglichen Setting erleben wollten.

    So ging es also frühzeitig am Mittwoch-Nachmittag auf den Weg in die Studentenstadt. Trotz reichlich Puffer war es im Feierabend- und Feiertagsverkehr eine absolute Tortur bei Dauerregen und Stau. Mit 1 1/2 Stunden Verzögerung erreichten wir den Zielort 30 Minuten vor Anpfiff. War aber auch kein Thema. Problemlos einen Parkplatz am Stadion bekommen (2 €) und der Einlass war zu dem Zeitpunkt auch noch entspannt. In den Minuten danach wurde es aber richtig voll, also Glück gehabt. Sehr viele kamen erst nach Anpfiff rein.

    Für acht Euro konnte man sich im gesamten Stadion frei bewegen. Schal am gut ausgestattet Fanshop-Stand für 15 € eingesackt. Für mich gabs als Fahrer nur alkoholfreies Bier und aufgrund der Schlange am Würstchenstand nur zwei Brezel.
    Das Jahnstadion ist schon eine etwas kuriose Erscheinung. Herzstück natürlich die riesige, leicht gebogene Haupttribüne. Hinter den Toren nur wenige Stufen und vor allem viel Gras. Keine Ahnung, ob schon immer so gewesen oder ob dort was zurück gebaut wurde. Die Anzahl der Stufen änderte sich nämlich auf beiden Seiten auf der Hälfte. Und dann ist da noch die Gegengerade, auf der wir standen. Sehr hohe Stufen, wirkte ziemlich modern, kein Zaun zur Laufbahn und ein Fitnessstudio im Rücken. Man merkt jedenfalls an allen Ecken und Enden, dass das primär ein Leichtathletikstadion ist und (aktuell) auch nicht die Heimat vom 1. SC Göttingen 05.

    Die Ausgangslage auf dem Platz war kurz vor Saisonende ziemlich irrelevant. 05 im oberen Drittel, mal wieder den Aufstieg verpasst. SVG im Mittelfeld. Von der Seite war also keine zusätzliche Spannung zu erwarten, wobei es in einem Stadtderby natürlich immer um Prestige geht. Trotzdem war es dann aber überraschend, dass die Gäste bereits nach 15 Minuten 2:0 führten. Deren Nummer 9 absolut eiskalt vor dem Tor. Im Gesamten ein absoluter Grottenkick mit wenig Torchancen und wenn dann auf Seiten der Gäste. 05 existierte vorne quasi gar nicht. Auch nach dem Seitenwechsel änderte sich daran nix und die SVG machte innerhalb von drei Minuten den Sack mit zwei weiteren Toren zu. Sicherlich eine überraschende und absolut enttäuschende Derbypleite für den Traditionsverein und ehemaligen Zweitligisten.

    Spannender war es da schon auf den Rängen. Trotz all der Jahre Tristesse hat sich bei 05 eine lebendige Ultraszene etabliert. Die aktiven Gruppen im Block F rund um die "Rasensportguerlila" und mit Unterstützung der Freunde vom SV Linden 07 (Hannover) wussten dieses Highlight zu zelebrieren. Eine dreistellige Anzahl Aktiver ist in der Landesliga schon bemerkenswert.
    Zum Einlauf gab es eine kleine Choreo mit Hochziehelement in Gedenken an Ludolf Katz (im 2. Weltkrieg verfolgtes Vereinsmitglied lt. Faszination Fankurve) und danach legte der Block einen sehr starken Auftritt hin. Ziemlich laut, ziemlich unbeeindruckt vom Spielgeschehen und sehr kreative und coole Gesänge. War schon ein top Auftritt im ersten Durchgang.

    Zum Anpfiff der zweiten Halbzeit gab es dann etwas Pyro + Banner der Gruppe "Stadtbekannte Taugenichtse". Support danach weiterhin ähnlich gut, aber flachte schon leicht ab. Durchgezogen wurde jedenfalls bis zum Abpfiff und noch darüber hinaus. In dieser Liga einfach nur logisch und die einzige Möglichkeit, sich selbst zu zelebrieren, gerade bei einem solchen Highlight im großen Stadion. Auf jeden Fall ein sehr guter erster Eindruck der Göttinger Fanszene, wenn auch sicherlich nicht unter alltäglichen Bedingungen.

    Insgesamt waren 1700 - 2000 Zuschauer da. Die Zahlen schwanken im Internet. Eine Durchsage konnte ich nicht hören.

    Bei den Torjubeln war zu erkennen, dass auch locker eine dreistellige Zahl den schwarz-weißen Gästen die Daumen gedrückt hatte.

    Vom Parkplatz kam man nach dem Spiel überraschend schnell runter und 2 1/2 Stunden Rückfahrt bei Tempomat 110 waren auch deutlich angenehmer als vier Stunden Stau auf der Hinfahrt.

    Alles in allem ein Stadionbesuch, zu dem ich tatsächlich ein gemischtes Urteil ziehen muss. Auch wenn ich niemals Stadien sammeln würde ohne dass da zumindest etwas los ist, war es natürlich cool, mal das Jahnstadion gemacht zu haben. Gefällt mir aber einfach nicht. Zumindest die Gegengerade hat überhaupt keinen Charme und da man so dermaßen weit entfernt vom Rest des Stadions war, hatte ich eher das Gefühl, Beobachter von außen zu sein als Teil vom Stadionerlebnis. Als wenn ich mir die Fanszene auf Youtube ansehe.
    Es waren auch keinerlei 05-Fans außerhalb der Tribüne, sondern alles voll mit Leuten wie uns. Entsprechend war es einfach jedem, den ich während des Spiels um mich rum hatte, völlig egal, was auf dem Platz passiert. Nehme mich da ja logischer Weise nicht raus, aber so konnte man leider wirklich kein Gefühl für den Verein Göttingen 05 kriegen und hatte auch keine Fußballatmosphäre um sich herum.
    Die vielen Ehrenamtler und einige Originale am Einlass ließen schon erahnen, dass 05 schon einiges an Charme und Kultfaktor (ich mag das Wort nicht so, aber mir fällt gerade nichts bessere ein) zu bieten hat, aber das in diesem Setting und dem riesigen Leichtathletikstadion nicht abgerufen bzw. erlebt werden konnte. Das wäre so als wenn man ein Heimspiel vom Bremer SV auf Platz 11 statt am Panzenberg schauen würde oder TeBe bei einem DFB-Pokalspiel im Olympiastadion.
    Wenn man also mehr Wert darauf legt, den Traditonsverein Göttingen 05 und seine Fans zu erleben als auf das Stadion, würde ich wohl ein normales Heimspiel jedem eher ans Herz legen.

    Dennoch war der Auftritt der Fanszene schon definitiv den Besuch wert.

    Wattenscheid statt Bochum

  • Beim nächsten Mal kannst du gern Bescheid sagen, wenn du hier in die Gegend kommst. Ich hatte ja schon geschrieben, dass ich auch zu dem Spiel wollte. Das war zwar primär zum Hoppen, aber das Spiel hat mich grundsätzlich interessiert, weil ich die Landesliga Braunschweig recht intensiv verfolge. Ich stimme dir absolut zu, das war ein Grottenkick, was vor allem an 05 lag. Zum Ende des Spiels bin ich mit ein par 05ern ins Gespräch gekommen, die sehr enttäuscht waren. Ihre Mannschaft kam vor allem mit dem durch die starken Regenfälle der vorherigen Tage sehr tiefen Boden nicht klar. Sie trainieren und spielen viel häufiger auf dem Kunstrasen am Maschpark.

    Insgesamt waren 1700 - 2000 Zuschauer da. Die Zahlen schwanken im Internet. Eine Durchsage konnte ich nicht hören.

    Da die Durchsagen auf der Haupttribüne nur schwer zu verstehen waren, hatten wir erst 1005 verstanden, offiziell waren es aber wohl 1705.

    Bröder av stål, höj ert mjöd och säg skål

    Sejdlarna flyger i Valhalla

    Om vi förgås, får vi smörja vårt krås

    För mjödet flödar i Valhalla

    Einmal editiert, zuletzt von meningus (15. Mai 2026 um 14:06)

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